10. TorTour de Ruhr® 2026 „Adieu Ed.“ Bambinilauf
Start Coureurs: Herdecke, Pfingstsonntag, 24.5.2026, 5 Uhr
Ziel: Rheinorange, Duisburg-Ruhrort, Cut-Off: 20 Uhr
Distanz: 100 km nonstop in max. 15 Stunden
Zwei unserer Läufer starteten bei der TorTour de Ruhr®, dem alle zwei Jahre stattfindenden Ultralauf auf dem Ruhrtalradweg, auf der Bambini-Distanz. Alle Distanzen waren bereits 1,5 Jahre vorab ausgebucht.
Besonderheiten der TTdR:
- Man kann sich nicht einfach anmelden. Man muss vom Veranstalter eingeladen werden oder dem Veranstalter von einem ehemaligen TorTouristen empfohlen werden. Für den Bambinilauf muss man dazu nachweislich mindestens 50 Kilometer am Stück gelaufen sein, für die 100 Meilen mindestens 100 Kilometer, für die 230 Kilometer mindestens 150-160 Kilometer bei einem 24h Lauf absolviert haben. Ohne aktuelles ärztliches Attest kein Start.
- Man benötigt eine Crew, d.h. man muss aus Sicherheitsgründen auf dem Lauf zu jeder Zeit immer mindestens eine Begleitperson dabeihaben, laufend oder auf dem Rad.
Die Veranstalter, Ricci und Jens, zeigen sich verantwortlich und verheizen zur Einnahmesteigerung keine der neuen Kim-Gottwald/Arda-Saatçi-Ultralauffans, die ohne große Vorbereitung aus dem Stand Ultradistanzen angehen, ohne ihren Körper einige Jahre ans lange Laufen herantrainiert zu haben. Keine Frage, die Distanz schnell und extrem steigern funktioniert, wenn man jung und fit ist. Das euphorisiert. Der gesundheitliche Preis danach ist zu hoch. Macht nicht allein für euch jeden Fehler, den man machen kann. Sucht euch Laufcoaches mit Erfahrung, die den Sport selbst seit Jahrzehnten betreiben. Ihr wollt kein Komet sein. Gute ein bis zwei Jahre, selbst Podestplätze, sind es nicht wert. Trainiert vernünftig, bleibt gesund und habt ein tolles, langes, gesundes Leben durch und mit dem Sport. Soweit die Warnhinweise…
Lukas und Pekka werden am Pfingstsonntag als letzte Teilnehmergruppe um 5 Uhr morgens zu Hells Bells in Herdecke auf die Strecke losgelassen. Ein Jahr der speziellen Vorbereitung und zahlreiche Trainingsmarathons liegen hinter ihnen. Begleitet von ihren Radcrews, Andi, Hans-Jürgen und Stefan, die im Gegensatz zu vielen anderen Crews die komplette Distanz bei ihrem jeweiligen Wettkämpfer bleiben, laufen sie bei strahlendem Sonnenschein entlang des Ruhrtalradwegs dem großen Ziel entgegen, dem Rheinorange an der Mündung in den, genau, Rhein. Die Leistung der Radbegleitungen geht meist unter, ist aber besonders hervorzuheben. Gespräche mit Lukas und Pekka sind extrem ermüdend, 100 Kilometer in 8-9 km/h sind es noch mehr; über elf Stunden im Sattel verursachen zudem Kernschmelze am Sitzknochen.
Es geht von Herdecke durch Wetter, Witten, Bochum, Hattingen, Essen und Mühlheim nach Duisburg. Unterwegs läuft man immer wieder auf andere TorTourist:innen auf. Insgesamt gingen 158 Starter:innen in Herdecke auf die Unterdistanz, 83 sind in Arnsberg auf Jagd nach der 100-Meilen-Gürtelschnalle gestartet und alarmierend unfassbare 112 Wahnsinnige stellten sich der Königsdisziplin ab Winterberg. Anhand der ersten drei Ziffern der Startnummer ist zu erkennen, dass sie bei einer „105…“ um 0 Uhr langsam in max. 20 Stunden oder bei einer „100…“ um 5 Uhr schnell in max. 15 Stunden in Herdecke mit auf die 100 Kilometer Distanz gegangen sind, bei einer „160…“ um 18 Uhr am Samstagabend in Arnsberg gestartet waren für insgesamt 100 Meilen / 161 Kilometer in max. 27 Stunden oder bei einer „230…“ sogar schon seit 8 Uhr am Samstag ab Winterberg unglaubliche 230 Kilometer in max. 37 Stunden rennen wollen.
Am Samstag mussten die 230K-TorTourist:innen schon in einer für Mai extremen Hitze laufen. Am Start teilt Jens dazu schonungslos mit, dass bereits über 50 Teilnehmer:innen ausgestiegen sind. Von insgesamt 385 Starter:innen, es waren im Vorfeld noch mehr angemeldet, sollen am Ende dem Wetter geschuldet nur 246 das Ziel in vorgegebener Zeit erreichen. In den Morgenstunden ist es sagenhaft schön direkt an der Ruhr zu laufen. Es wird langsam immer heller, Nebel liegt über dem Wasser. Ab spätestens 10 Uhr beginnt auch für die Bambinis die Hitzeschlacht. Zum Glück hat es ein paar Grad weniger als am Vortag. Parallel zur aufsteigenden Sonne steigt bei gleichbleibender Pace automatisch der Puls. Wohl dem, der unterwegs Eiswürfel in die Kopfbedeckung oder ein ruhrnasses, kaltes Halstuch für den Nacken bekommt, um die Körpertemperatur zu senken.
Unterwegs finden sich nur vier mehr oder weniger große Verpflegungspunkte. Das Zollhaus an der Kemnade und der Stand unter der Kampmannbrücke am Baldeneysee sind die Highlights. Für den Kopf setzen wir uns zusätzlich Zwischenziel-Marken: Halbmarathon, Marathon, 50 Kilometer, 3x Halbmarathon, 50 Meilen, 2x Marathon, Venlo. Mist, verlaufen.
Spätestens ab dem Baldeneysee wird es zu Pfingsten sehr voll. Einigen Rennradfahrer:innen und älteren E-Bike-Fahrern mangelt es an Sozialkompetenz. Die Radcrews müssen mehrfach, in einfacher Sprache, auf die Definiton von Verkehrsschild 240, Gemeinsamer Geh- und Radweg, Rad hat keinen Vorrang, angepasste Geschwindigkeit und Rücksichtnahme, hinweisen. Am Ende ist es kein Spaß mehr. Die letzten 15 Kilometer sind leider die unschönsten: Ohne Schatten schnurgeradeaus direkt neben der A40 entlang; weite Teile durch Industriegebiet um den Duisburger Innenhafen und Ruhrort herum. Die Füße glühen. Kaum noch Baumschatten wie ihn der Ruhrtalradweg lange auf vorangegangenen Kilometern gnädigerweise geboten hat. Mit anderen TorTour-Leidensgenossen halten Sarkasmus und die immer positiven Crewfahrer die Läufer in Bewegung.
Nach 11:15 Stunden erreicht Lukas mit Andi die Stele in RAL 2004, reinorange, und belegt damit einen sehr starken 13. Platz. Pekka folgt mit Hans-Jürgen und Stefan nach 12:34 Stunden auf einem guten Rang 23. Angesichts von 158 gestarteten Läuferinnen und Läufern ein herausragendes Ergebnis und eine außergewöhnliche sportliche Leistung.
Die diesjährige Ausgabe war die „Adieu Edition“. Die TorTour de Ruhr verabschiedet sich nach zwanzig Jahren von der Veranstaltungsbühne. Jens hat sich damals etwas Großartiges ausgedacht. Besser konnte man es nicht umsetzen. Umso schöner, dass Lukas und Pekka die letzte Gelegenheit erfolgreich nutzen konnten, noch einmal Teil dieses besonderen Abenteuers zu sein. Ansonsten: Die Quelle bleibt, die Mündung bleibt, der Fluss bleibt, der Radweg bleibt, also…
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